Projektbeispiele

Endlich ein fußfreundliches Pflaster
Schweinfurt Oberndorf sei wieder ein Stück schöner geworden, lautet in diesen Tagen das übereinstimmende Urteil von Bewohnern und Besuchern über den sanierten Bereich südlich der Hauptstraße, die Straßen und Plätze rund um den Glockenhof.
 
Die Oberndorfer selbst haben, bis ins kleinste Detail, die auf den sensiblen Bereich um Schule, Kindergarten und Kirche abgestimmten sowie von Rücksichtnahme auf historische Gegebenheiten geprägten Pläne des Schweinfurter Architekten Dag Schröder mitgestaltet und einstimmig beschlossen. Mit dem (bis auf einige Baum-Standorte) originalgetreu umgesetzten Ergebnis sind sie zufrieden, weil sie für dessen Bezahlung nicht zur Kasse gebeten werden - es werden keine Ausbaubeiträge erhoben - und weil sie's selbst positiv spüren, sogar in den Beinen. So ein fußfreundliches Pflaster findet man in Schweinfurt nirgendwo sonst.

Es heißt "Via Castello" und ist, wie Baureferent Jochen Müller bei der Vorstellung der nahezu abgeschlossenen Baumaßnahme erklärte, "ein oberflächenvergütetes Betonpflaster mit Kalksteinvorsatz." Dieses sitzt auf einer bedingt versickerungsfähigen Tragschicht. Die zehn Zentimeter hohen Kunststeine halten auch den landwirtschaftlichen Verkehr aus. Trotz Fugen geht man auf diesem "glatten" Pflaster - auch ein Bürgerwunsch - besser als auf jedem Plattenbelag.

Das Oberflächenwasser wird übrigens durch Führungsrinnen in den Kanal abgeleitet.

Im Zuge der Baumaßnahme wurde auch die komplette technische Infrastruktur in den seit 1753 unveränderten Straßenzügen saniert. Optisch gesehen hat der Bereich Glockenhof nicht nur durch die Pflasterung gewonnen. Die Hauseingänge und Zufahrten sind neu gestaltet worden. Es gibt Bänke und Papierkörbe. Bäume, Sträucher und Rasen sollen in Kürze gepflanzt werden. Abends brennen aber schon die neuen Leuchten.

Am 1. Adventswochenende wird vorweihnachtlicher Lichterglanz dazukommen. Der Oberndorfer Weihnachtsmarkt findet erstmals an zwei Tagen und im Glockenhof statt. Die Oberbürgermeisterin wird dessen offizielle Übergabe mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes (Samstag, 29. November, 13 Uhr) verbinden, und am Sonntag (15:30 Uhr) nochmals kommen, um die Kleinen des Kindergartens zu bescheren.

"Ein Fest für die Oberndorfer, das auch von den Oberndorfern erinnerungswürdig gestaltet werden sollte," meint der Vorsitzende des Bürgervereins Bernd Köppel. Er will sich mit seinem Verein, der seit jeher den Weihnachtsmarkt organisiert, ganz besonders ins Zeug legen und bittet die Oberndorfer, sich bei ihm zu melden (Tel. 8 49 78), wenn sie mitmachen bzw. zur Tombola (Erlös für Umbau des Feuerwehrgerätehauses) beitragen wollen.

Das genaue Programm wird Köppel noch vorstellen. Er sicherte Jochen Müller gestern zu: "Wir machen was draus," bestätigte dessen Rückmeldung von vielen Seiten, der Glockenhof sei "wirklich ganz toll geworden" und meinte, so ein augenfälliger Sanierungsschritt vor 20 Jahren schon hätte vielleicht dafür gesorgt, dass mancher junge Oberndorfer nicht weggezogen wäre.

Laut Müller wird die mit 60 Prozent (Bund-Länder-Programm) geförderte Sanierungsmaßnahme statt der veranschlagten eine Million nur rund 850 000 Euro kosten, obwohl auf Wunsch vieler Oberndorfer die Pfarrgasse mit ihrer Entwässerungsproblematik zusätzlich aufgenommen wurde.

"Die Stadt hat vorgelegt, nun werden unsere Oberndorfer hoffentlich nachlegen", sagte Herbert Lupprian, der Leiter der Sanierungsstelle. Er wünscht sich "ein bisschen mehr private Initiative" und nennt als Beispiel das unbebaute Öhring-Grundstück gegenüber dem Kindergarten. Ein Areal für beste Wohnqualität.

Weil noch Grundstücksfragen zu klären sind, kann der Platz vor der Kreuzkirche erst im Frühjahr Glockenhof gerecht umgestaltet und vergrößert werden. "Barrierefrei. Die Treppen kommen weg," verspricht Jochen Müller.
 
Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Kraus
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